Dr. Rimland
Die Welt des Autismus verliert einen Riesen: Bernard Rimland
Autistische Kinder und ihre Familien verabschiedeten sich am Dienstag, den 21. November 2006 von ihrem besten Freund und größten Vorbild:
Dr. Bernard Richard. Der Gründer und Leiter des „Autism Research Institut“ (ARI), verstarb im Alter von 78 Jahren.
Dr. Stephen M. Edelson, der der neue Leiter des ARI werden wird, sagte: "Dr. Rimland geht in die Geschichte als derjenige ein, der das „finstere Zeitalter“ der autistischen Störungen beendete und den Kampf um Hoffnung und Hilfe für Kinder mit autistischen Störungen begann.
Als er in den 1960er Jahren seine Arbeit im Bereich der autistischen Störungen aufnahm, wurde in der Regel noch den Eltern die Schuld am Autismus ihrer Kinder gegeben. Die Kinder brachte man in psychiatrischen Institutionen unter und „behandelte“ sie mit starken Medikamenten zur Ruhigstellung.
Heutzutage werden Kinder mit Störungen auf dem autistischen Spektrum mit effektiven Lernprogrammen gefördert und biomedizinisch behandelt. Diese Ansätze erzielen dramatische Verbesserungen und oft auch eine Erholung von den autistischen Symptomen. Bei jedem einzelnen Schritt dieser Revolution ging Dr. Rimland voran und musste wie ein Löwe gegen Institutionen kämpfen, die den Stand der Dinge mit allen Mitteln halten wollten.“
Dr. Rimlands über vierzig Jahre dauernde Arbeit im Namen autistischer Kinder begann mit einem einzigen, seinem Sohn, Mark Rimland, geboren 1956. In der letzten Überarbeitung des DAN! Behandlungsmanuals, schrieb Dr. Rimland
"Mark war ein schreiender Säugling, dem man nichts recht machen konnte. Er wollte nicht kuscheln und wehrte sich dagegen auf den Arm genommen zu werden, aber genauso wehrte es sich dagegen, wieder hingelegt zu werden.
Unser Kinderarzt, Dr. Black, der schon 35 Jahre lang praktizierte, hatte noch nie ein Kind wie Mark gesehen, oder auch nur von einem solchen gehört.
Weder Dr. Black noch ich, zum damaligen Zeitpunkt bereits seit drei Jahren fertiger Ph.D. in Psychologie, hatten jemals zuvor das Wort Autismus auch nur gesehen oder gehört.“
Erst als Mark schon zwei Jahre alt war, erinnerte sich Gloria, die Frau von Dr. Rimland,
im College etwas über Kinder gelesen zu haben, die ähnliche Symptome wie ihr eigenes zeigten. Als Dr. Rimland sich durch die staubige Kiste mit Collegetextbüchern in der Garage wühlte, sah er das Wort "Autismus" zum ersten Mal. Diese Entdeckung war also der erste Schritt auf einer Suche, die fast ein halbes Jahrhundert andauerte.
Dr. Rimlands Kampf für autistische Kinder begann in den frühen 1960er Jahren, zur Zeit als psychoanalytische Ansätze vorherrschten und allgemein angenommen wurde, Autismus entstünde durch die unbewusste Ablehnung des eigenen Kindes, der sogenannten „Kühlschrank-Mütter“. Behandlungsansätze, empfohlen durch den damals sehr anerkannten Psychoanalytiker Bruno Bettelheim und andere, beinhalteten, dass Kinder Modelle, die ihre Mütter darstellten, bespuckten und traten.
Wissend, dass Mark ein zutiefst geliebtes Kind und die Theorie über die „Kühlschrank-Mütter“ sowohl falsch als auch überaus zerstörerisch war, begann Dr. Rimland alles, was über Autismus bekannt war, zu erforschen. Er durchforstete Büchereien auch nach ausländischen Artikeln, die er übersetzten ließ und fand, wie er später schrieb, „nicht den kleinsten Beweis“ dafür, dass schlechte Elternschaft Autismus herbeiführe.
Stattdessen fand er gewichtige Beweise dafür, dass Autismus eine biologische Störung ist, ein Fakt, der heute offensichtlich ist, damals aber revolutionär war. Seine Beweise fasste er in seinem bahnbrechenden Buch: “Infantile Autism: The Syndrome and Ist Implications for a Neural Theory of Behavior“, (1964) zusammen.
Dieses Buch veränderte die Welt des Autismus für immer: es gewann den "Century Award for Distinguished Contribution to Psychology" (Preis für herausragende Beiträge zur Psychologie) und, wie ein Reporter es beschrieb, „schickte Bettelheims Theorie zur Hölle". Für Eltern hatte der Albtraum, schuld an der schrecklichen Störung ihrer Kinder zu sein, ein Ende.
Die meisten Menschen wären nun damit zufrieden sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, aber Dr. Rimland machte sich gerade erst warm. Er hatte zwar ein ganzes Gebiet innerhalb der Psychologie revolutioniert, aber immer noch keinen Weg gefunden, seinem eigenen Sohn zu helfen. Also gründete er die "National Society for Autistic Children" (NSAC; nationale Gesellschaft für autistische Kinder), heutzutage bekannt als "Autism Society of America" (ASA; Autistische Gesellschaft Amerikas). Durch diese Gruppe konnten Eltern autistischer Kinder, damals noch eine seltene Störung, sich gegenseitig moralisch unterstützen und auch Informationen austauschen bezüglich der Wirksamkeit einzelner Therapien.
Zu einem großen Teil rief Dr. Rimland ASA ins Leben, um "behavior modification", bekannt als Applied Behavioral Analysis oder ABA (angewandte Verhaltensanalyse), bekannt zu machen.
Dieser Behandlungsansatz wurde damals gerade durch einem sehr kontrovers diskutierten jungen Psychologen, namens Ivar Lovaas, der Weg bereitet. Experten auf dem Gebiet des Autismus verspotteten die Behauptung von Lovaas, dass Kindern mit Autismus durch etwas so einfaches wie geradlinige Verhaltensmodifikation geholfen werden könne, aber Dr. Rimland machte diesen neuen Behandlungsansatz durch NSAC bekannt und Eltern begannen, um diese Therapie für ihre Kinder zu kämpfen.
Heutzutage ist ABA natürlich die erste Wahl unter den verhaltensbezogenen Behandlungsmethoden autistischer Kinder und viele der frühzeitig behandelten Kinder zeigen dramatische Verbesserungen.
Jedoch wusste Dr. Rimland, dass verhaltensbezogene Behandlungen allein nicht in der Lage sind, eine solch komplexe biologische Störung wie Autismus adäquat anzusprechen. 1967 gründete er daher das gemeinnützige Autism Research Institute (Institut zur Erforschung des Autismus) und erschuf so ein weltweites Forschungs-
und Überwachungszentrum für biomedizinische Behandlungsansätze (welche damals noch kaum existierten). 1985 schied er als Psychologe bei der Navy aus und widmete den Rest seines Lebens der Autismusforschung.
Die erste Behandlung, die Dr. Rimland auf Grund von Berichten von Eltern autistischer Kinder untersuchte, war die Gabe hoher Dosen von Vitamin B6. Andere Fachkräfte auf dem Gebiet des Autismus hielten die Idee, dass ein Vitamin einen Gehirnschaden korrigieren könne für absurd. Zeit und Forschung bewiesen aber, dass sie unrecht hatten. Bis heute zeigen 22 Studien, davon 13 doppel-blind Versuche, dass ein großer Prozentsatz autistischer Kinder von einer Vitamin B6 Gabe, normalerweise in Kombination mit Magnesium, profitiert.
Dr. Edelson sagt: “Eine der bemerkenswertesten Aspekte Dr. Rimlands ist wohl, dass er schon sehr früh begriff, das in vielen Fällen die Eltern der Schlüssel zur Lösung des Mysteriums Autismus sind. Vom ersten Tag an, hat er ihnen zugehört und sie respektiert und folgte ihrer Leitung. Wenn nur fünf oder sechs Eltern berichteten: „DMG hilft meinem Kind“ hat er das nicht ignoriert, sondern organisierte eine Studie, um zu untersuchen, ob andere Kinder ebenso darauf ansprachen. Für einen professionellen Psychologen, auch wenn er selbst Vater eines autistischen Kindes war, war das ein revolutionärer Standpunkt und ist ein Schlüsselgrund dafür, dass ARI immer Wegweisend für die Identifizierung neuer Behandlungsmethoden und für die Erforschung der Wurzeln des Autismus war.“
Ein wichtiger Hinweis, der von Eltern autistischer Kinder beigesteuert wurde, erreichte, dass sich ARI in mitten einer großen Kontroverse wieder fand: die Debatte über die Sicherheit von Impfstoffen. Durch seine Arbeit erreichten Dr. Rimland viele Berichte über Kinder, die vor der DPA-Impfung keine Störung aufwiesen. Nach und nach häuften sich Berichte dieser Art und auch andere Impfungen betreffend. Es war zu beobachten, dass mit der anwachsenden Zahl an Kindern, die geimpft wurden, auch die Autismusrate erbarmungslos wuchs. Als Dr. Rimland herausfand, dass die meisten Kinderimpfstoffe Thimerosal enthalten, ein Konservierungsmittel, welches zu 50% aus Quecksilber, ein sehr starkes Nervengift, besteht, erkannte er, das die sich ausweitende Anzahl an Impfungen, die Kindern gegeben werden, der Grund für die in den Himmel steigenden Autismusraten sein könnten.
Sein Misstrauen wuchs als er herausfand, dass die Symptome einer autistischen Störung viele Ähnlichkeiten zu den Symptomen einer Quecksilbervergiftung aufweisen.
Gegen diese Theorie zeigte, was nicht anders zu erwarten war, die medizinische Gesellschaft, starken Wiederstand. Ebenso ignorierte sie Hinweise im Bezug auf den Einfluss von Weizen und Milchproteinen, schwerer Maserninfektionen, als Folge von MDR-Impfungen und anderer Umweltfaktoren als Auslöser oder Verstärker von autistischen Verhaltensweisen. Die Medizin verachtete nach wie vor biomedizinische Behandlungen, auch wenn hunderte oder sogar tausende von Eltern berichteten, dass diese Behandlungen, oft sogar dramatische, Wirkung zeigten.
Also startete Dr. Rimland ein weiteres Projekt, diesmal mit dem Ziel schnell die Ursachen autistischer Störungen zu identifizieren und die sicheren und effektiven Behandlungsmethoden, die sich die allgemeine Medizin zu untersuchen weigerte, bekannt zu machen.
Zur Erfüllung dieser Mission rief er das Defeat Autism Now! Projekt (DAN!; Bekämpfe Autismus Jetzt!) ins Leben. Starthilfe erfuhr es 199_ als er ein Dutzend der in der Welt führenden Forscher aus verschiedenen Bereichen zusammenbrachte, um einen auf dem neusten Stand der Wissenschaft basierenden Behandlungsplan zu entwickeln und die Prioritäten bezüglich der neusten Forschungsziele festzusetzen. Dieses kleine erste Treffen wuchs in eine weltweite DAN! Bewegung, die mittlerweile riesige Konferenzen, große Forschungsprojekte, ein Behandlungsmanual und hunderte von DAN!-trainierten Ärzten. Ein schöner Ableger dieser massiven Anstrengungen ist das “Recovered Autistic Children" (Erholte Autistische Kinder) Projekt. Hier verbreiten Eltern die Botschaft, das „Autismus behandelbar ist“.
Dr. Rimland und Dr. Edelson arbeiteten auch zusammen an dem Buch: ”Recovering Autistic Children”, mit Geschichten über Kinder die mit Hilfe der DAN!-orientierten Behandlungen enorme Verbesserungen oder sogar Erholung erfahren haben.
Zusätzlich zu diesen Projekten diente Dr. Rimland auch als technischer Berater für "Rainman", der Film der einen Oskar gewonnen hat und Millionen von Kinogängern die Welt eines Menschen mit Autismus nahe brachte. Als Herausgeber der “Autism Research Review International” (Zusammenschau der Forschung im Bereich Autismus International) versorgte Dr. Rimland Eltern und Experten mit wichtigen Informationen hinsichtlich der Behandlung und Erforschung von Autismus. In vielen Leitartikel kritisierte er häufig das Versagen der traditionellen Medizin, Kindern mit Autismus zu helfen, auf schärfste.
Dr. Rimland erreichte weltweite Berühmtheit und den Ruf eines Riesen in seinem Feld. Seine Freunde reichten von Hollywoodstars bis hin zu nationalen Medienvertretern. Jedoch, im Gegensatz zu vielen anderen Experten, war ihm die Bedeutung eines „Elfenbeinturms“ unbekannt. Jeden Tag nutzte er seine wenige Freizeit, um auf Briefe, Telefonanrufe, Faxe und EMails zu antworten, die tausende von verzweifelten Eltern aus der ganzen Welt an ihn richteten. Seine zahlreichen Freunde kannten ihn als eine aussergewöhnlich großzügige Seele und als einen unbezähmbaren „Matchmaker" (Verkuppler), dessen größte Freude es war, zum Nutzen aller, Fremde an einen Tisch zubringen. Er war ebenso ein herzensguter Mensch, der zu keiner guten Sache nicht “nein”-sagen konnte, egal wie groß oder klein sie war. (Die Weihnachtsfeier der Zweigstelle der Autismus Gesellschaft in San Diego war wahrscheinlich die einzige, auf der jemals ein international bekannter Autismusforscher als Weihnachtsmann aufgetreten ist.)
Wie hat Dr. Rimland es geschafft so viele Großprojekte gleichzeitig zu jonglieren, dass es für zehn Leben gereicht hätte und zur selben Zeit noch jedem Freund (oder Fremden) zu helfen, der ihn brauchte? Er verbrachte sieben Tage die Woche in seinem Büro. Manchmal schlief er auf dem Büroboden. Und jeder der mit ihm zusammenarbeitete wusste, wenn das Telefon nach zehn Uhr abends klingelte, dass es Dr. Rimland, mit einer weiteren, oft welterschütternden, Idee war. (Nicht alle seine Ideen und Interessen standen im Zusammenhang mit Autismus. Er hat einige Patente angemeldet, für Erfindungen und war ein unverbesserlicher „Bastler“.)
Dr. Rimlands großartige Frau, Gloria, verwaltete seinen nahezu unmöglichen Terminplan anmutig, während sie es schaffte einen Haushalt mit drei Kindern reibungslos zu führen. Die „Autismuswelt“ schuldet Gloria Rimland zum einen tiefste Dankbarkeit für die Inspiration und moralische Stütze, die sie für Dr. Rimland über die Jahre war, als auch höchste Anerkennung für ihre Bereitschaft, ihren Ehemann mit „Autismus-Eltern“ auf der ganzen Welt zu teilen. Die „Autismuswelt“ sendet ihr tiefstes Mitgefühl und Beileid an Gloria und an ihre Kinder, Mark, Paul und Helen.
"Unsere Gemeinschaft ist zutiefst getroffen durch den Verlust von Dr. Rimland," sagt Dr. Edelson. "Seine Hinterlassenschaft wird jedoch weiterleben, in der Arbeit der ARI und dem DAN! Projekt und in der Freude bei den Familien, deren Kinder, von der allgemeinen Medizin als “hoffnungslos” und “unheilbar” aufgegeben, nun glückliche, gesunde und produktive Leben führen. Das ist genau die Hinterlassenschaft, die Dr. Rimland sich wünschen würde.“
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